Nestflüchter e. V.
Interessenverband frühgeborener Kinder und deren Angehöriger

Geht denn das?

Bahrenfeth Febr.08 von Sven Hinrichsen

Wie können wir die Qualität der Versorgung Frühgeborener im Klinikum Itzehoe weiter verbessern und wie können wir es schaffen, dass das Thema Frühgeborene mehr in den Fokus der Öffentlichkeit tritt?

Zwei Fragen, die der Vorstand des Vereins bdquo; Nestflüchter e.V. ” sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2007 stellte.
Ganz einfach, wir müssen nur das Geld für einen neuen Inkubator zusammenbekommen, dann wird sich auch die Presse interessieren und somit hätten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Vier Vorstandsmitglieder grübelten, diskutierten bis es qualmte und phantasierten mit aller Kraft. „ Lass uns den Rotary Club fragen. Da finden wir Menschen mit sozialen Engagement, die auch über die nötigen Kontakte verfügen”. Nicht lange diskutiert, sondern einen Brief entworfen, Infomationen über einen Giraffe Omnibed beigelgt und abgeschickt. Aber auch mehrere Wochen bangen Wartens brachten kein Ergebnis – Schade.

Also erneut getroffen und nach neuen Wegen gesucht. „ Wir schreiben einen Brief an Radio Schleswig Holstein / RSH. Die führen doch kurz vor Weihnachten immer eine Spendenaktion durch und vielleicht können wir Carsten Köte für uns gewinnen.”

Gesagt – getan! Und nach 4 Wochen erreichte uns tatsächlich ein Anruf von der RSH Redakteurin Miriam Jahn. Sie würde uns gerne kennen lernen, ob es möglich wäre sich zu treffen? Klar!! Und so traf sich Frau Jahn mit dem Vorstand der Nestflüchter im Klinikum Itzehoe und wir erzählten. Von Frühchen, von den Ängsten und Sorgen der Eltern, von den vielen kleinen Fortschritten, von Rückschlägen, von Behinderungen und Trauer. Und wir besuchten die Intensivstation, voll belegt, und eine Mutter erzählte bereitwillig von ihrem Kind, das vor ihr im Inkubator lag.

Frau Jahn erzählte uns im Anschluss, sichtlich beeindruckt vom gerade Erlebten, dass sie sich für unser Projekt einsetzen würde, dass wir allerdings nur eine von vielen Institutionen wären, die sich beworben hätten. Und sie nannte die Rahmenbedingungen, die zu sichern seien. Sie bräuchte 10 Interviewpartner, betroffene Eltern, Ärzte, Pflegepersonal. Es müsssten mehrere hundert Spendenbescheinigungen ausgestellt werden und es muss in wenigen Wochen losgehen können. „ Schaffen wir alles! war unsere Aussage.

Eine Zeit bangen Wartens begann, aber 10 Tage später war es so weit. Frau Jahr rief uns an und........................... ” Wir werden in diesem Jahr für die Kinderintensivstation sammenl”
Hurra, Super, Klasse, Großartig!!!

Schon 4 Tage später wurden 10 Interviews geführt. Mit betroffenen Müttern und Vätern, mit den Vorstandsmitgliedern und Ärzten. Und dann begann die Aktion. Ab 1. Dezember wurden täglich rund um die Uhr die Interviews in Auszügen gesendet, parallel erschien jeden Tag ein Artikel in der Norddeutschen Rundschau, die diese Aktion ebenfalls unterstützte. Und so erlebten wir Tag für Tag, wie die Spendensumme wuchs. Nach einer Woche waren bereits mehr als 8000€ auf dem Spendenkonto und so konnten wir hoffen, dass wir unser Ziel, 25.000€ für den neuen Inkubator zusammen zu bekommen, erreichen würden.

Ja, und dann ging es erst richtig los. Die Spendensumme wuchs und wuchs. 20.000, 50.000, 80.000€. Uns wurde „schwindelig” bei diesen Beträgen. Das Telefon stand nicht mehr still, unser Privatanschluss war teilweise über viele Stunden blockiert von den vielen Nachfragen interessierter Menschen aus ganz Schleswig Holstein.

Und nun, zu Beginn des neuen Jahres, war es soweit. Spendenübergabe im Klinikum Itzehoe auf der Intensivstation. Carsten Köthe war gekommen, der Pressereferent des Senders, die Presse, Klinikleitung, ein Vertreter der Bank, die das Spendenkonto und auch eine Spende zur Verfügung stellte und viele Menschen mehr.

Und so wurde dem Vorstand der Nestflüchter und dem Leiter der Kinder – und Jugendmedizin Prof. Helmut Paust ( auch Vorstandsmitglied ) ein Scheck mit der schwindelerregenden Summen von mehr als 146.000€ übergeben.

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei allen Spendern, bei Carsten Köthe und seinem Team, bei allen „ Nestflüchtern” die diese Aktion unterstützt haben. Alle zusammen haben es geschafft, dass das Thema Frühchen einen ganzen Monat lang in aller Munde war.

Und wir möchten allen Vereinen Mut machen. Versucht etwas, nehmt Kontakte auf, sprecht mit anderen Menschen über Frühchen und Eure Anliegen.

Denn:

Wer das Mögliche will, muss das Unmögliche versuchen.


Sven Hinrichsen
Vorsitzender Nestflüchter e.V.
Sozialpädagoge
Systemischer Therapeut und Supervisor


Nestflüchter e.V. | Handwerkerweide 1 | 25569 Bahrenfleth | Tel.:0 48 24/23 15