Nestflüchter e. V.
Interessenverband frühgeborener Kinder und deren Angehöriger

Zeit zwischen Himmel und Hölle

Norddeutsche Rundschau 11.12.07
Krempe/sh:z - Eigentlich beginnt alles eher undramatisch: Ireen Carl aus Krempe (Kreis Steinburg) bekommt leichte Wehen und geht zum Arzt. Dort sagt man ihr sie habe Übungswehen und solle sich keine Sorgen machen. Als der Frauenarzt fststellt, dass der Gebärmutterhals leicht verkürzt ist, wird die Frau jedoch zur Beobachtung in die Klinik eingewiesen. Mit strikter Bettruhe soll dort alles wieder ins Lot kommen. Es kommt jedoch anders: Mit jeder Übungswehe gehen die Herztöne des Kindes dramatisch herunter - das Kond muss geholt werden.

Maria Elisabetha Am 29. September 2007 wird Maria-Elisabetha nach gerade mal 30 Wochen Schwangerschaft per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Ihre 33-Jährige Mutter Ireen Carl hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine achtjährige Tochter - an eine Frühgeburt und das es sie treffen könnte, hatte sie nie gedacht.

Die Kremperin sagt: „Man kommt von einer Welt in eine andere - plötzlich ist alles anders.”Maria-Elisabetha wiegt bei der Geburt nur 1860 Gramm und ist 43 Zentimeter groß. Sie wird ihren Eltern nur kurz gezeigt und sofort in einen Brutkasten auf der Intensivstation gelegt.Anfans atmet das Kind noch selbstständig, doch der Zustand verschlechtert sich: Ein Lungenflügel kollabiert, das Kind muss fünf Tage beatmet werden, weitere Komplikationen treten auf. Für die Carls eine Zeit zwischen Himmel und Hölle, Freude und Trauer. „Diese ganzen Schläuche machen einem Angst - jede Kleinigkeit, die noch hinzukam, hat mir regelrecht den Boden unter den Füssen weggerissen. Ich konnte nur noch weinen”, beschreibt Ireen Carl ihre Gefühle.

Zum Zeitpunkt des Interviews liegt Maria-Elisabetha noch auf der Intensivstation, aber nicht mehr im Inkubator. SIe wiegt mittlerweile 2340 Gramm, nimmt zu und atmet mittlerweise selbstständig. Die Kleine hatte dasGlück, in dem Spezialbrutkasten zu liegen, den die Klinik gerade zum Test ausgeliehen hatte und für den R.SH und der sh:z-Verlag nun gemeinsam Spenden sammeln. Dank dieses Gerätes musste Maria-Elisabetha für Untersuchungen kaum herausgenommen und transportiert werden. „Es ist unglaublich was dieser Brutkasten leisten kann - er war wie ein kleines Nest für unsere Tochter” sagen die Carls.

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