Nestflüchter e. V.
Interessenverband frühgeborener Kinder und deren Angehöriger

Bangen am Brutkasten: Schwere Geburten mit glücklichem Ausgang

Norddeutsche Rundschau 5.12.07
Hohenlockstedt/sh:z - „Anfangs habe ich mich gar nicht getraut sie anzufassen. Sie sah aus wie ein zu früh aus dem Nest gefallenes Vögelchen”,sagt Ursula Knutzen aus Hohenlockstedt im Kreis Steinburg über ihre zweite Tochter. Sie kam 1997 bereits in der 25. Schwangerschaftswoche auf die Welt. 15 Wochen zu früh.
Tanja KnutzenDie Kleine heißt Tanja, ist damals gerade 740 Gramm schwer, und sie magert sogar noch auf 570 Gramm ab. Für sie wird der BRUTKASTEN auf der Frühchenintensivstation Itzehoe in den nächsten Wochen zum schützenden Mutterleibersatz. Da Ursula Knutzen selbst aus einem medizinischen Beruf kommt, ist sie mit der Arbeit mit technischen Geräten vertraut und hat von Anfang an keine Angst vor dem ungewöhnlichen Zuhause ihres Babys. Im Gegenteil: Das regelmäßige Gepiepe, Gesumme und die Kabel geben ihr Sicherheit. Sie weiß, das ihr Kind im Brutkasten sehr gut aufgehonen ist.

Aber trotzdem hat Familie Knutzen Angst, dass sich Tanja nicht richtig entwickelt und Schäden davon tragen könnte - eben weil sie so klein ist und anfangs kaum zunehmen will. „Es ist nur eine handvoll Mensch, aber es ist alles dran” sagt die Hohenlockstedterin. Auchals sie und ihr Mann, Tanja mit nach Hause nehmen dürfen, ist diese Angst, trotz aller Freude, noch nicht vorbei. Die große Schwester trägt die kleine Tanja wochenlang auf dem Arm durch das Haus uns will sie gar nicht mehr loslassen. Erst als Tanja drei Jahre alt ist, lässt die Angst nach und die Knutzens wissen: Unser Kind ist gesund.

Ein Jahr nach der schweren Geburt wird Ursula Knutzen erneut schwanger. Wieder kommt es zu Komplikationen: vorzeitige Wehen, Stunden später wieder eine Frühgeburt. Als sie ins Krankenhaus kommt, spürt sie keine Herztöne des Kindes mehr und glaubt,dass es eine Totgeburt wird. Ein zweites Mal ein Wechselbad der Gefühle, Hoffen und Bangen. Aber: Christina, die dritte Tochter von Ursula Knutzen, kämpft und lebt.

Tanja und Christina - beide Kinder haben wochenlang auf der Frühchenintensivstation Itzehoe im Inkubator gelegen. Heute gehen sie in die 3. und 4. Klasse. Beide sind putzmunter und begeisterte Reiterinnen und Schwimmerinnen.

Ursula Knutzen freut sich, dass für einen hochmodernen Brutkasten gesammelt wird: „Das ist ein Inkubator, der wesentlich mehr kann als noch vor 10 Jahren. Ich weiß, wie das ist, wenn die Kinder auf der Intensivstation liegen und man ihnen möglichst viel helfen und die beste medizinische Versorgung gewährleisten möchte”, sagt sie und stimmt dem Motto der Aktion von ganzem Herzen zu: „Spenden ist babyleicht.”

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