Frühchen: Wie der Verein "Nestflüchter" Betroffenen hilft
Norddeutsche Rundschau 13.12.07Bahrenfleth/sh:z - „Panik und Angst machen sich in einem breit” - so beschreibt Sven Hinrichsen die Sorge um seine Frau und sein ungeborenes Kind, als ihn die Nachricht erreicht, dass seine Tochter viel zu früh kommen wird. Die kleine Finja wurde - wie gestern berichtet - im Mai 1999 nach nur 27 Schwangerschaftswochen per Not-Kaiserschnitt auf die Welt geholt. „Unser Kind war reduziert auf einen Brutkasten, auf die Größe einer Tüte Milch
und auf ganz viele Schläuche. Es war gar nicht mein Kind so”,
sagt der 48-Jährige Vater aus Bahrenfleth (Kreis Steinburg). Diese Empfindungen, Sorgen und Ängste der ersten Lebenswochen ihrer
Tochter prägen die Hinrichsens tief und motivieren sie, die Erfahrungen aus ihrem Schicksal mit anderen zu teilen. Nachdem Sven und
Sandra Hinrichsen ihre Kleine aus dem Krankenhaus holen können, tun sie sich mit anderen Eltern, Pflegepersonal und Ärzten zusammen
und gründen „Nestflüchter e. V.”, einen Interessenverband für frühgeborene Kinder und deren Angehörige. Während der
schweren Zeit hatten die Hinrichsens gemerkt, wie hilfreich Gespräche mit anderen Betroffenen für sie waren. „Deshalb wollten
wir ein solches Angebot selber ins Leben rufen und für andere Eltern von Frühgeborenen bereitstellen”, sagt Sven Hinrichsen.
Der Verein unterstützt und berät seither äußerst erfolgreich Frühchen-Eltern aus dem ganzen Land. Wie kann man mit den Krankenkassen
in Verbindung treten? Welche Unterstützungen gibt es? Bei diesen und weiteren Fragen bietet der Verein Hilfe und Information.
Vor allem aber stehen die Mitglieder von „Nestflüchter” als Gesprächspartner zur Verfügung. „Wir Betroffenen können das Ganze
noch einmal aus einer anderen Sicht beurteilen”, so Sven Hinrichsen. Etwa wenn es darum geht, den Müttern die häufig auftretenden
Schuldgefühle zu nehmen oder allgemein bei den Eltern Ängste zu vermindern, „ist es wichtig, dass ein Gesprächspartner da ist
und man sich nicht allein gelassen fühlt”, betont der 48-Jährige. Der Verein Nestflüchter war es auch, der „Carsten Köhte
hilft helfen” auf die Idee gebracht hat, die Spendenaktion für einen hochspezialisierten Brutkasten für die Frühchenintensivstation
Itzehoe zu organisieren, denn, so der R.SH-Moderator: „Spenden ist babyleicht.”
Zurück zur Artikelübersicht
